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Benedictus war also entschlossen, das Studium aufzugeben und die Einsamkeit aufzusuchen. Nur seine Amme zog mit ihm, die sehr an ihm hing. Sie kamen zu einem Ort, der Enfide hieß. Dort nahmen ihn viele geachtete Männer mit Liebe auf, und die beiden fanden eine Unterkunft auf dem Kirchengelände von St. Peter (Dial. II,1)

Obwohl der junge Benedikt schon bald den römischen Lehrern den Rücken gekehrt hatte, war der Aufenthalt in der Hauptstadt für ihn doch ein Gewinn: Ihm war klar geworden, dass der Sinn des Lebens nicht in Reichtum oder Macht – sei sie kirchlicher oder politischer Art – besteht. Benedikt schloss sich zunächst in Enfide (Affile) im südlichen Latium einer Asketengemeinschft an. Unversehens geriet er, der der Großstadt entflohen war, durch ein Wunder in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. So sah er keine andere Möglichkeit, als auch von diesem Ort zu fliehen. Er tat es heimlich, ließ mit der Amme und der dortigen Asketengemeinschaft den Kontakt zu seiner Familie wie auch zum kirchlichen Leben zurück und fand eine neue Bleibe nicht weit von Enfide in einer nur schwer zugänglichen Felsenhöhle bei Subiaco.

Dieser Rückzug aus der menschlichen Gesellschaft war in dieser Zeit keine Ausnahmeerscheinung, da das Anachoretentum (Einsiedlertum) des Orients längst auch in Gallien und Italien verbreitet war. Dennoch war die Lebensform, die Benedikt wählte, besonders radikal, denn andere Asketen bildeten oft eine lose Gemeinschaft, während Gregor nur einen einzigen Mönch namens Romanus nennt, von dem Benedikt die Einführung in das Mönchsleben erhielt.

In dieser Einsamkeit aber, fernab von den Menschen, fernab vom Leben der Kirche, ereignete sich das wohl entscheidende Erlebnis im Leben Benedikts. Hier in der Höhle von Subiaco traf ihn wieder der Anruf Gottes. Der rigorose Asket hatte sich in seiner Abgeschiedenheit so sehr vom kirchlichen Lebensrhythmus entfernt, dass er sogar das Osterfest nicht wahrnahm.

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