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(II,38,2) PETRUS: Wie erklären wir das, was wir sooft auch bei der Fürsprache der Märtyrer beobachten: Ihre Leiber erweisen sich nicht so segensreich wie das, was sonst an sie erinnert, und sie wirken größere Wunder an Orten, wo sie nicht begraben sind?

(II,38,3) GREGOR: Wo die heiligen Märtyrer mit ihren Leibern ruhen, Petrus, da können sie ohne Zweifel viele Zeichen wirken, wie sie es auch tun; unzählige Wunder erweisen sie denen, die mit aufrichtigem Herzen darum bitten. Doch Kleinmütigen könnten Zweifel kommen, ob die Märtyrer auch dort gegenwärtig sind und Erhörung schenken, wo ihre Leiber offensichtlich nicht ruhen. Darum müssen sie dort größere Wunder wirken, wo Kleinmut an ihrer Gegenwart zweifeln könnte.

Wer aber in Gott gefestigt ist, erhält größeren Lohn für seinen Glauben, weiß er doch, dass die Märtyrer dort zwar nicht leiblich ruhen, aber die Erhörung dennoch nicht versagen.

(II,38,4) Deshalb sagte die Wahrheit selbst, um den Glauben der jünger zu stärken: »Wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen« [Joh 16,7]. Da bekanntlich der Beistand, der Geist, immer vom Vater und vom Sohn ausgeht, warum sagt dann der Sohn, er werde weggehen, damit derjenige kommt, der doch nie vom Sohn weggeht? Die Jünger, die den Herrn im Fleisch schauten, verlangten danach, ihn für immer mit ihren leiblichen Augen zu sehen; deshalb wurde ihnen zu Recht gesagt: »Wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht kommen.« Damit meint er offenbar: »Wenn ich euch meinen Leib nicht entziehe, kann ich nicht zeigen, was die Liebe des Gelstes ist, und wenn ihr nicht aufhört, mich leiblich zu schauen, lernt ihr nie, mich im Geist zu lieben.«

(II,38,5) PETRUS: Was du sagst, findet meine Zustimmung.

GREGOR: Jetzt müssen wir aber unser Gespräch für eine Weile unterbrechen. Wir möchten ja auch noch Wunder von anderen erzählen. Einstweilen wollen wir im Schweigen neue Kraft zum Reden schöpfen.