Über das Wirken von Gebet und Vollmacht

(II,30,2) PETRUS: Ich wüsste gern, ob Benedikt so große Wunder immer durch die Kraft des Gebetes erreichte oder ob er sie bisweilen auch nur durch einen Willensentschluss zustande brachte.

GREGOR: Menschen, die aus ganzem Herzen an Gott hängen, wirken Wunder so, wie es die Umstände erfordern: Sie tun Wunder manchmal aus der Kraft des Gebetes, manchmal aus Vollmacht. Johannes sagt: »Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Vollmacht, Kinder Gottes zu werden« [Joh 1,12]. Warum sollen jene, die aus dieser Vollmacht Kinder Gottes sind, nicht auch aus solcher Vollmacht Wunder tun?

(II,30,3) Denn das Beispiel des Petrus bezeugt, dass Wunder auf beide Weisen gewirkt werden: Durch Gebet erweckte er die tote Tabita [vgl. Apg 9,40-41], durch Tadel lieferte er die Lügner Hananias und Saphira dem Tod aus [vgl. Apg 5,1-11]. Lesen wir doch nicht, er habe um ihren Tod gebetet, sondern nur, er habe sie wegen der begangenen Schuld getadelt. Es steht also fest, dass Heilige manchmal Wunder aus Vollmacht, manchmal durch Gebet bewirken; denn Petrus hat den beiden durch Tadel das Leben genommen, jener durch Gebet das Leben zurückgegeben.

(II,30,4) So berichte ich nun von zwei Taten des treuen Dieners Gottes Benedikt, bei denen sich deutlich zeigt, dass er die eine durch die Vollmacht, die er von Gott empfangen hatte, wirkte, die andere durch die Kraft des Gebetes.

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