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(II,4,1) In einem der Klöster, die Benedikt in der Umgebung hatte errichten lassen, gab es einen Mönch, der beim Gebet nicht ausharren konnte. Sobald sich die Brüder beim Gebet andächtig verneigten, ging er hinaus, ließ seine Gedanken umherschweifen und beschäftigte sich mit irdischen und nichtigen Dingen.

Schon oft hatte ihn sein Abt ermahnt, schließlich brachte er ihn zum Mann Gottes, der ebenfalls seine Torheit mit strengen Worten tadelte. Aber wieder in seinem Kloster, hielt die Ermahnung, die ihm der Mann Gottes gegeben hatte, kaum zwei Tage an. Am dritten Tag fiel er in seine Gewohnheit zurück und schweifte zur Zeit des Gebetes wieder umher.

(II,4,2) Der Abt des Klosters, den Benedikt eingesetzt hatte, berichtete dies dem Diener Gottes. Dieser sagte: »Ich will selbst kommen und ihn bessern.«

Der Mann Gottes kam also in das Kloster. Als die Brüder nach dem Psalmengesang zur festgesetzten Stunde im schweigenden Gebet verharrten, sah er, wie ein kleiner schwarzer Knabe jenen Mönch, der es nicht beim Gebet aushalten konnte, am Saum seines Gewandes hinauszog. Da sagte er leise zu Pompeianus, dem Abt des Klosters, und zum Diener Gottes Maurus: »Seht ihr nicht, wer es ist, der diesen Mönch hinauszieht?« Sie antworteten: »Nein.« Er sagte zu ihnen: »Lasst uns beten, damit auch ihr seht, wem dieser Mönch folgt! « Als sie zwei Tage gebetet hatten, sah es der Mönch Maurus, Pompeianus aber, der Abt des Klosters, konnte nichts wahrnehmen.

(II,4,3) Als der Mann Gottes am folgenden Tag nach dem Gebet das Oratorium verlassen hatte, sah er den Mönch draußen stehen. Da schlug er ihn mit der Rute wegen der Blindheit seines Herzens.
Von jenem Tag an hatte der Mönch keine Einflüsterung des kleinen schwarzen Knaben mehr zu ertragen, sondern verharrte gesammelt und andächtig beim Gebet. Der Alte Feind wagte es nicht mehr, die Gedanken des Mönches zu beherrschen, als hätte er selber Schläge bekommen.